September 2006


Heute – der erste richtige Trainingstag. Ich tippe hier diesen Blogeintrag schon längst nicht mehr selbst, sondern besitze wie jeder halbwegs erfolgreiche oder unerfolgreiche Kabarettist einen kleinen Stamm an 1-Euro-Kräfte, die einem die wichtigsten Tätigkeiten (Essensaufnahme, Pinkeln, Verträge unterschreiben) abnehmen. Ich höchstselbst liege längst schon im Bett und lasse mich von zwei weiteren Mitgliedern meiner Crew einbalsamieren, denn vom Gefühl her wäre die Mumifizierung längst der nächste richtige Schritt.

Wenns nicht diese leckeren isotonischen Getränke in allen möglichen Geschmacksrichtungen von mexikanischer Guave bis spanischer Fliege über den Fitnesstresen huschen würde, wäre ich auch schon längst vom Trainingsgelände weg gelaufen. Aber das bringt ja auch nix, weil soviele Schritte man auch macht, man kommt ja einfach nicht von der Stelle. Und von wegen alte Physik-Kenntnisse und „bei höheren Geschwindigkeiten vergeht die Zeit schneller“. 20 Minuten Ausdauertraining habbich auffem Laufband abgewickelt (Den Rosinenausscheidern sei gesagt: Ja, das Band war auch die ganze Zeit über an.), aber diese 20 Minuten waren gefühlt solang wie die 60 Minuten, die man vorher für die Anreise durch diverse NRW-Stadtkerne zum Herbstferienbeginn genießen durfte und selbstredend auch nicht mit Kurzfühligkeit prahlten.

Natürlich haben meine Muskeln auch schon gut gekatert, so dass meine heutigen Trainingsergebnisse leicht hinter den Ergebnissen des ersten Mittwochs zurückblieben… ist aber auch kein Wunder, damals hatte man ja noch einen teilweise jungfräulichen Körper, der gar nicht wusste, was im geschehen würde und deshalb willig alles mitmachte… naja, diese Willigkeit wird sich wohl in den nächsten Wochen noch öfters schmerzhaft melden :)

Es gibt ja unzählige Möglichkeiten zu sterben. Etwas eingeschränkter ist dabei sicherlich die Wahl der Selbstmordvarianten… Zweifeln sei nur vor Augen geführt, dass man z.B. nur sehr schwierigste einen Wal dazu bewegen kann, einen freiwillig zu verspeisen o.ä. Neben den mir bislang bekannten Möglichkeiten eines Suizids habe ich dann letztlich doch noch eine weitere kennen gelernt. Das Schlimmste an ihr ist: Man bleibt garantiert am Leben…. Ja, heute dann also der erste Trainingstag *g*

Fangen wir erstmal mit den positiven Erkenntnissen des heutigen Tages an: Ich bin ein fauler, unbeweglicher, konditionsarmer und kraftloser Klumpen Zellgewebe – seit heute habe ich das schriftlich. Nicht mal meine Beine, die ja gute 90 eigene Kilo Tag für Tag durch die Welt schleppen müssen, sind nicht mal in der Lage, auf schicken Foltermaschinen liegend irgendwelche 40 Kilogewichte (Masse, nicht Anzahl) von sich wegzudrücken. Das blieb natürlich auch nicht durch meine heutige Einführungskraft in die Folterräumlichkeiten („Die Bianca“) unkommentiert.

All diejenigen Blogleser, die auch meinen Roman „Andere haben Fische“ gelesen habe, dürften ja durch das Kapitel Wellness ein gutes Bild vor den Augen haben, wie quälende Angestellte des Gesund- und Fitmachgewerbes so aussehen und sich gebärden. Sämtliches gilt zumindest in der Hückeswagener Injoy-Wirklichkeit nicht. Alle Serviceleistenden sind von freundlichem und wohlwollendem Gemüt, bzw. sie verstecken ihren Sarkasmus vor dem ohnehin schon auf dem Boden liegenden Personal perfekt. Aber warum sollten sie einen Neusportler wie mich auch quälen? – Man macht das schließlich ganz von alleine.

Mal kurz zur Sache: Nach diversen Test, bei denen ich zigmal fast vom Laufband gefallen wäre, mein Blutdruck beliebig niedrig drückte und sich herausstellte, dass ich die untere Rückenmuskulatur einer 5-jährigen Ballerina habe, gibts für mich jetzt das erste individuelle Trainingsprogramm: Aufwärmen durch 10 Minuten lockeres Eintraben und Voltegieren auf dem Laufband, dann eine Runde Zirkus… äh… Zirkeltraining (8 Geräte, jeweils eine Minute, dann 2 Minuten Pause zum Nachsinnen über die erneute Blamage), in Folge spez. Geräte für meinen verbrezelten Korpus (vor allem Bauch, den Ballerina-Rücken und etwas Nackend *gg*) und zum Abschluss darf ich noch so lange auffem Laufband ordentlich Gas geben, bis et mir davon läuft. Das alles nach Möglichkeit zweimal die Woche.

Nun ja, mal schauen, ob ich mich schon direkt übermorgen wieder ins Trainingsgebiet hineinlege. Alleine die Anwesenheit zwischen isotonischen Appel-Guave-Getränken und jungen Kerls, deren sogenannter „Bizeps“ (übersetzt: „zweiköpfig“ – welche Ironie) ungefähr so breit ist wie die angesprochene Ballerina hoch, dürfte sich ja schon positiv auf meinen Gesamtzustand auswirken.

Jawoll, so ist er dann also gekommen…. der letzte Tag unsportlichen Daseins *sniff*

Na, wie habe ich dich letztlich unsportlichen Tage meines Lebens verbracht – zumindest nicht so, wie es mir angeraten wurde, um nochmal richtig einen auf die Hacke zu kauen. Die ein oder andere ungesunde Spachtelmasse habe ich aber schon nochmal in den letzten Tagen in mich hineingelegt. Doch es gibt auch Unschlechtes zu berichten: Selbst leichte Spaziergänge habe ich schon in den letzten Tagen veranstaltet, um meinem Körper schonmal vorzugaukeln, was ihn da alles so erwarten kann in den nächsten Monaten. Er zeigte sich bislang aber wenig beeindruckt… wenn der wüsste…. morgen werde ich also erstmals richtig stämmig, was verschiedenste Fitnessgeräte angeht. Ich hoffe, ich werde noch in der Lage sein zu tippen.

Immer wieder sind in den letzten Tagen Menschen aus dem näheren und ferneren Bekannten- und Freundeskreis an mich herangetreten und haben mich allesamt das Gleiche gefragt: „Meik, wirst du eigentlich unbekleidet laufen?“ Lange spielte ich auch mit dem Gedanken, so dass erste Bejahungen zu schieren Verzückungen führten, mittlerweile habe ich aber zumindest diesen Vorsatz über Bord geworfen und bin mittlerweile im Besitz eines schicken, grauen Lauftextils zur Bedeckung der wenigen Körpermuskeln, die nicht aktiv am Laufprozess beteiligt sind. Bildmaterie folgt natürlich in Kürze, auch wenn die Hosen selbst nicht die größte Kürze besitzen.

Hm… jetzt wird es ernsthaft ernst!

Ja, wie angekündigt fand ich mich dann heute um 16.00 Uhr im beschaulichen Hückeswagen ein. Indeed, auch in den tiefsten Tiefen des Bergischen Landes hausieren fitte Studios, daran Leiter und Angestellte einem auch gleich das Wasser reichen, wenn man bei 29 Grad aus dem aufgeheiztem Golf herauskippt.

Mein Trainingszentrum und Brutherd Puppe’scher Fitness ist also das INJOY HÜCKESWAGEN (natürlich ab sofort sauber verlinkt… da… gucken… da rechts inner Leiste & natürlich auf der Homepage alleweil. Bisschen abseits des bergischen Städtedreiecks, aber so entgeht man wenigstens dem Medienrummel *g*

Das Studio höchstpersönlich macht einen massiv kompetenten Eindruck, der mich als Fitnesslaie sofort zu beeindrucken wusste. Fahrräder oder Reifen passen perfekt ins Ambiente (der Nachbar des Studios issen Autohändler, wo ein gutes Duzend alter VW-Käfers vor der Türe lauern), zudem gibt es zig Bänder aus Lauf und man kann sogar einen Zirkel trainieren, falls man da schon seit der Grundschule beim Kreise zeichnen Schwierigkeiten mit haben sollte. Blubbernde Wassersäulen erinnern an „Andere haben Fische“, ansonste ist das Ambiente äußerst schön, oder in anderen Worten, gänzlich unbergisch.

Konstruktive Gespräche mit Herrn Pramor (in Folge für Sie ebenso wie für mich: „Der Jörg“), einem der Leiter der Körperschmiede und ab sofort mein persönlicher Konditions- und Muskelaufbauer ergeben einiges: Mit mir soll so ziemlich alles gemacht werden, was bislang meinem Leben nicht gerade vertraut war. Begriffe wie „Muskelaufbau“ und „therapeutischer Bewegungsplan“ machen die Runde. In kurzen und modernen Worten: Es soll ein „Pimp my meik“ auf höchstem Niveau geschehen.

Am reizvollsten bei allen angedrohten Trainings- und Strafmaßnahmen ist für mich jedoch die sog. „Polar-Uhr“, die sich wohl bald um mein nicht minder eiskaltes Händchen schmiegen darf. Die Uhr ist quasi der „Trainer für zu Hause“, kontrolliert die Herzfrequenz im Training und gibt wöchentlich individuelle Vorgaben fürs eigene Training, je nach dem, ob man jetzt ausdauern möchte, sich steigern etc. Mittels dieser Angaben diktiert sie einem dann Dinge wie Trainingszeiten oder auch die anzuratende Kalorienzufuhr. Letzteres stieß natürlich bei mir gleich auf hungrige Ohren – eine Uhr, die mir „jetzt bitte mehr Essen“ sagt. Fitnesstraining kann anscheinend sooo schön werden :-)

Spannendes Datum wird der 27.9. werden, da werde ich nämlich auf Herz und Nieren geprüft und somit festgestellt, wie zellsackig ich nun wirklich bin… 3 Stunden jagt man mich über das Gelände um zu gucken, ob ich eher im Kraft, oder im Ausdauerbereich versage. Bis dahin wirds natürlich auch einige Anekdoten geben, das glaub ich doch garantiert *hamburgerreinstopf*

Worauf hab ich mich da eingelassen??

30.August 2006, Redaktionsitzung des bergischen Kulturmagazins „Plan B“. Redaktionelle Verteilung der Artikel. Aktueller Tagesordnungspunkt: „Der Röntgenlauf“, ein seit einigen Jahren auch bundesweit schon etwas etablierteres Läuferereignis mit Strecken vom Ultramarathon bis hin zum Gelände-Querfeld-Ein mit zu umgehender Bierzelt-Schikane.

Da alle Seiten doch recht einstimmig posaunten, dass man eigentlich im nächsten Jahr auch von Seite der Redaktion ein Pferd ins Rennen schicken sollte, kein Mensch in Natur gegeben fauler Natur sich aber freien Willens dazu beischlagen ließ, geschah es: Ich wurde Pferd. Jaja, ich lauf schon irgendeine Distanz mit, logisch *seufz*

Kaum zu Hause angekommen wurde ich mit Ehre geizig. Als Mensch, der sich in vielen künstlerischen Bereichen bewegt, bin ich es gewohnt, außer vielleicht im Bereich der Honorarzahlung, keine halben Sachen zu machen, somit stand schnell der Entschluss: Ich widme mich der Königsdisziplin, dem Ultra-Triathl…ähm…naja, also dem Marathon.
Dieser Blog soll nun dafür da sein, meine Fortschritte, Rückschritt und Stürze auf diesem Wege humoresk und kabarettistisch zu verfolgen. Dass dieser Blog zudem noch an einem 11.September, also gut 13 Monate vor dem alles entscheidenden Lauf startet, ist somit auch kein Zufall. Schließlich befindet sich mein Körper momentan auch eher auf dem „ground zero“. Wer meine beiden Romane kennt, weiß, dass Begrifflichkeiten wie „Passives Zellgewebe“ oder noch despektierlicher – „Zellsack“ – an dessen Körper überall dort, wo normale männliche Wesen Muskeln besitzen, bei mir eher dickere Puddingkissen eingelassen hat, durchaus Selbstbeschreibungen sind.

Schon diese wenigen Sätze sollten klar machen : Ich brauche professionelle Hilfe, die ich mir morgen auch gleich im Fitnessstudio meines Vertrauens (besser gesagt: Im Fitnessstudio da wo die Redaktion seine Beziehung hatte und die wo auch direkt bereit waren dem MarathonMeik sein Projekt mit zu machen, da wo… usw) Erstrat und sonstigen Spökes abholen werden.

Mann darf gespannt sein, wie ich die ganzen Schritte der gut 42 Kilometer meistere. Streng genommen sind es, von heute an gerechnet, eigentlich nur gut 100 Meter pro Tag – sowas sollte doch zu schaffen sein.