Oktober 2006


Als ehemaliger Sportverweigerer ist man ja geradezu in der Pflicht, sich allerhand geschickte Ausreden auszudenken, wieso weshalb warum man gerade heute nicht zur ersehnten Trainingseinheit stampfen könnte. Hexenschüsse durch schlechtes Hochheben eines Bierkastens, Ermüdungsbruch im Gasfuß oder allgemein geschwächte Kondition im Zuge zu großer sexueller Anstrengungen der jüngeren Vergangenheit seien da nur exemplarisch mal hervorgehoben. Aber bei mir isset leider ganz anders. Keine Ausrede hilft, die nicht die Waage, der Kraft-O-Mat und wie die Dinger alle heißen, nicht sofort enttarnen würden. Deshalb die blanke Wahrheit:

Sehr geehrter Herr Lehrer!

Unser Sohn Meik konnte in den letzten Tagen leider nicht am Sportunterricht teilnehmen, da er Ihnen eh nur die Laufbänder vollgerotzt hätte. Ich hoffe, Sie wissen sein fernbleiben zu schätzen. Allerheiligen isser aber garantiert wieder auffem Dampfer.

Mit freundlichen Grüßen

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(Unterschrift)

Ja, da läuft er also und darf dabei immer seine Augen schweifen lassen zwischen den aktuellen Daten auf der Maschine einerseits und den drei von Injoy zur Verfügung gestellten Fernsehapparate nahe der Decke andererseits… untenrum steht die 1%ige Steigung und dass ich gerade soviele Kalorien durch 30 Minuten laufen verloren habe wie ich mir standardmäßig durch einen Bissen Hamburger-Aggregat einlegen würde – oben rum guck ich Britney Spears oder Vera am Mittag (womit auch meine normale Trainingszeit eingrenzbar sein dürfte… nein… das Injoy hat nicht nachts auf, wo die Wiederholungen laufen)… aber mit einem großenm Segen, nämlich mit ohne zum Hören. Da ich mir nie Kopfhorer leihe am Empfang ist das einzige Geräusch für Minuten das quietschende Schleifen der Laufbänder mit jeder Bewegung… ein schleifendes Geräusch, welches meine Knochen und Sehnen in wenigen Monaten ganz von selbst hinkriegen werden. Oder zumindest in 40 Jahren aus Gründen des Verschleißes. Genießen Sie also erstmal diesen bildlichen Eindruck und freuen Sie sich drauf, wenn bald noch mehr Eindrücke davon kommen, wenn jemand hart arbeiten muss… wie sagt da der Volksmund so schön… „Im Schweiße seines Arschgesichts“.

Da ist man hochmotiviert, pellt sich Samstagsmorgens aus der Kiste um zum Training zu fahren, und wo landet man letztlich: Beim Heimtraining. Reifenwechsel, weil meinereiner so doof ist, sich ne Schraube ins Hinten-Rechts hineinzufahren. Auf dem Weg also direkt auf alle vier Winterschlappen umstellen. Und jetzt? Jetzt sind mal wieder völlig falsche Muskelgruppen trainiert und ich hab keinen Bock mehr auf Training – naja, vielleicht morgen dann. Ich versuche mich den Rest des Tages möglichst passiv zu verhalten, um die Fehlübungen heute auszugleichen – nicht, dass ich noch muskulös werde *g*

So, jetzt bin ich zwei Übungseinheiten später (Sonntag und oschuurdwiii, for our frensh blogreaders)

Im Laufe der Zeit gewöhnt man sich ja an vielste Dinge: Azorische Temperaturen, Leonard-Cohen-Balladen oder dem permantem Missbrauch vom Dativ. Dies gilt sogar für die Vorhölle, die ich regelmäßig sportlich erleben darf.

Das Schlimmste ist: Man wird mit manchem Gerät sogar heimisch. Zärtlich streichelt man beim Einstellen die einem längst schon vertrauten Gewichte, schnell kennt man fast jeden Spintschlüssel mit Namen (oder zumindest mit Zahl). Und wenn man nicht gerade wieder isotonische Waldmeistergetränke in sich einlaufen lässt oder schweißnass zur beschleunigten Abkühlung in den eigenen Kaffee hineintropft, handelt man mit der Servicekraft („Der David“ ) um dynamische Mikrophone oder Mischpulte und darf dann zuschauen, wieder er erwähnte zwischen zwei Aufschäumphasen einen flotten Twist aufs Pakett legt.

Ach ja, zur körperlichen Demütigung bin ich ja auch da. Nun, was soll ich sagen, ein wenig fitter bin ich schon geworden, merk ich zumindest im Alltag. Wenn ich mich draußen bewege, beispielsweise an einer steil ansteigenden Straße, merke ich, wie es mir mittlerweile viel weniger Müße macht, beim Anfahren die Handbremse zu lösen. Nein, im Ernst, die Trainingsergebnisse zeigen schon die ersten Auswirkungen, insgesamt gehts mir physisch besser als nach einer Woche des Aufwandes gedacht. Nur das Trainieren zu für einen im künstlerisch Tätigen morgengrausamen Zeiten (also bisweilen schon so ab 12.00 Uhr) lassen den niedrigen Blutdrücker in mir manchmal ganz schön leiden, so dass das Zirkeltraining gerne mal nach einem Halbkreis endet. Aber ich hab ja noch viel Zeit – in ein paar Monaten kann ich sicherlich problemlos mit meiner Systole Nüsse knacken.