November 2006


Gut- steng genommen ist Muskelmasse keine Flüssigkeit, aber was sich da bei mir im Rahmen der zurückgelegten Wochen bei mir so alles ausgetauscht hat, erstaunt selbst meine Haupt-Trainingskontrolleuse bei der ersten Rückfütterung (ich berichete). „Die Bianca“ (ich berichtete noch viel weiter vorher) ermittelte gleich unter meiner passiven Hilfe, dass ich 5% meiner gesamten Körpermasse von Fettbehang auf Muskelstrang umgestellt habe – eins zu eins ausgetauscht, denn Gewicht hab ich kein Gramm verändert.

Ansonsten kann ich auch innerlich ohne jedes Fettrohr nach wenigen Wochen das erste Fazit ziehen: Joah, ich bin schon nicht mehr ganz so zellsackig wie noch zu Beginn der Tortur und gewinne in manchen Ansätzen sogar etwas Spaß an der ganzen Quälerei. Ich hoffe mal, das wird sich auch auf lange Strecke noch so ausdehnen, wenn ich mich gaaanz langsam mal an den zweistelligen Kilometerbereich ranpirschen werde. Aber schön langsam allet, so’n Crosstrainer oder Laufband läuft einem ja glücklicherweise nicht weg.

Wie im letzten Eintrag noch lässig belächelt, hat sich der sog. „Kreuz-Trainer“ ganz boshaft an mir gerächt. Zum ersten Mal in meinem Läuferleben existiert bei mir ein Anflug von Trainingssucht, und alles nur wegen diesem komischen Hibbel-Wibbel-Gerät. Erst 5 km am Stück auf ihm, dann gestern noch mal 4 km und zudem 8 km Rad… und dies alles nur, weil ich zwischendurch mal ein paar Pro-Depressiva einwerfe, um nicht schon wieder in purer Euphorie morgen schon wieder aufs Hibbel-Wibbel-Gerät drauf zu wollen.

Übermorgen wirds dann aber auch mal wieder ernst. Mein erstes Feedback steht an nach meiner Ersteinweisung, damals, im September. Da kriegen wir alle also erstmals mit, ob die bislang gefühlten Trainingserfolge auch in bitteren Fakten niederschlagen können. „Feedback“ kommt übrigens aus dem Englischen und heißt wörtlich soviel übersetzt wie „Rückfütterung“, platt gesagt also „Würgereiz“, denn man durchaus mal nach zu langer Trainingsarbeit verspüren kann.

Abschließend habe ich mittlerweile auch die Trainingsmonotonie abgeschafft und beschalle mich kopfhörertechnisch mit MP3s – für jede Trainingssituation passend. Hochgradig gefährlich ist dies, wenn der Läufer dann, in den Rhythmus der Musik zu fallen droht. Bei Sigur Ros oder Yo La Tengo is dies noch gesundheitsförderlich, beim Aphex Twin oder System of a down wirds da schonmal etwas enger. Synchroniztät is eben doch nicht immer dat Beste :-)

Zungen, die böse sind und gleichermaßen willig, äußern ja gerne ihre versteckte Vorliebe für ein bisschen Masochismus. Nur wer Schmerzen fühlt, weiß auch das er lebt. In der Tat ein eher ungewöhnlich Genussprinzip, welches ich auch aber endlich kennenlernen durfte. Ich weiß das ich lebe. Ich weiß das ich schmerzen kann. Aber SO SEHR… oi oi oi oi oi.

Irgendwie wollen meine Beininnenseiten nicht mehr so wie ich will, weshalb man mir binnen weniger Tage und Wochen angebrachtes Schuhwerk an den Fuß gießen möchte mit Schrittpufferung noch und nöcher, dass ich das Gefühl habe werde, in ferner Zukunft 42 Kilometer weit über Wolken zu hüpfen. Momentan hüpft mir nur die Krampfneigung von einem Bein zum anderen der noch verbleibenden Möglichkeiten.
Zukünftige werde ich also erst einmal ein paar Einheiten auf dem sog. Cross-Trainer zurücklegen, der nicht etwa das Kreuz trainiert, wie man meinen könnte, sondern ein Laufband ist, was quasi mit den Füßen mitläuft und einem eine Fortbewegungsart ermöglicht, um die Stanley Kubrick bei „2001″ dankbar gewesen wäre, hätte er damals schon diese Technik gehabt. Ansonsten trainiere ich fesch andere Körperteile meines bekannten Zellsackes, z.B. mit der feschen Apparatur links, die einem beim nächsten Spanienurlaub sehr hilfreich werden kann in der Disziplin „plötzlich angreifenden Stier wegdrücken“ – ich bleib also für sie an Ball und Hörnertier :-)